Silly - Tod im Konzert - Sendung vom 05.02.2010
Jetzt dauert es nur noch wenige Stunden, bis unsere SILLY Folge "Tod im Konzert" ganz offiziell über den Bildschirm flimmert. Allerhöchste Eisenbahn nochmal zurückzuschauen.
Der Wunsch, eine Folge mit einer Band zu machen, gibt es bei uns schon seit vielen Jahren. Doch irgendwie waren nie die passenden Musiker dabei. Bis zu dem Tag im Frühjahr 2007. Bei "Leipzig.Courage zeigen" - einem alljährlichen Konzert gegen rechts - wurde SILLY ganz groß mit neuer Sängerin angekündigt. Und was soll ich sagen? Ich war durch und durch skeptisch. Zwar war ich noch echt klein, als die Mauer fiel, aber SILLY und vor allem die Rocklady Tamara Danz waren auch mir in lebendiger Erinnerung. Und nun sollte es eine neue Sängerin geben? "Ein verdammt schmaler Grat" war mein erster Gedanke. Und dann noch eine Schauspielerin. Zwar eine tolle - unbestritten - aber eben keine Musikerin. Zumindest dachte ich das. Doch schon beim ersten Lied war klar: "Mann,Mann Frau Lippold. Da lagste aber mal sowas von falsch". Denn Anna rockte. Und zwar nicht wie Tamara, sondern wie Anna. Das war und ist ihr großes Pfund. Und obwohl sie sich die Songs zu eigen macht, bleibt der SILLY-Geist. Das hat mich sehr fasziniert. So sehr, dass ich nach dem Konzert Jörg (Produzent) und Matthias (Redakteur) anrief und ihnen die Idee eines SILLY-SOKO crossovers unterbreitete. Sofortige Zustimmung beiderseits ermutigte mich, einen Brief an die Band zu schreiben. Und tatsächlich: Das Interesse war sofort groß. Die Band hatte sofort verstanden, dass eine Zusammenarbeit mit einer der erfolgreichsten deutschen Krimiserien (wow, vielleicht sollte ich in die PR Abteilung wechseln...) auch für sie nur von Vorteil ist. Zumal eine neue CD in Planung war. Die erste seit vielen Jahren. Tja, da kamen wir sehr gelegen. Und wie Anna mir verriet, haben wir auch bei den Musikern den Stein ins Rollen gebracht. Bis zu unserer Anfrage war wohl die Arbeit an den neuen Liedern etwas zäh. Mit dem "OK" zur SOKO Folge gabs eine klare Deadline. Denn die Ausstrahlung und die Veröffentlichung der CD sollte miteinander koodiniert werden.
Wir hatten also alle viel zu tun: Wir entwickelten mit Autor Axel Hildebrand das Buch und die SILLYs strickten an neuen Songs. Und wann immer eine neue Phase in der Drehbuchentwicklung erreicht war, trafen wir uns mit den Herren und der Dame und besprachen das Zwischenergebnis. Für mich bis heute merkwürdigerweise fanden diese Zusammentreffen meist im Cafe Albert in der Nähe des Alex statt. Aber das etwas bizarre Ambiente mit seinen Salsa-Nächten und Grill-Brunches sorgte immer für gute Stimmung. Am Ende stieß dann auch noch Regisseur Jörg Mielich dazu. Ab da wurde auch die Umgebung angemessener. Wir wurden ins legendäre Studio eingeladen. Und da saßen wir nun: in einem herrlichen Garten vor einer Unmenge Kuchen und sahen bewundernd Anna zu, die konsequent Möhren und andere Knackigkeiten knabberte - ausdauernd darauf beharrend, dass das lecker sei und Schokokrams völlig überbewertet. Ich mampfte das 4. Stück Rührkuchen und nickte beeindruckt.Und so verging die Zeit.
Irgendwann waren alle Fragen beseitigt und ein Buch stand. Eine Geschichte, die komplett auf einem Konzert spielte. Was sich super beim Entwicklen anfühlte, wurde nun also Produktionsrealität und damit stellten unser Herstellungsleiter und der Produktionsleiter leicht nervös die Frage, wo wir denn so viele Komparsen auftreiben wollten? Und wo das Ganze überhaupt stattfinden soll? Da die ganze Zusammenarbeit bis zu diesem Punkt so ungemein inspirierend war, gingen wir frohen Mutes auch an diese Aufgabe. Das neu gegründete Castingportal der UFA "Your Chance" gab uns Schützenhilfe und wir machten einen Aufruf,um möglichst viele Fans zu erreichen. Damit war die eine Herausforderung in Arbeit. Die andere kam mit Kameramann Henning Jessel. Der musste das ganze filmen und wusste, dass wir eine extrem gute Location brauchten. Denn nicht nur die Band hatte gewisse Anforderungen an die Bühne - auch filmisch musste auf vieles geachtet werden. Und so fielen Clubs mit großen Fenstern weg. Clubs, die zu groß waren auch. Clubs die zu klein waren erst recht. Im "Anker" fanden wir dann unsere Traumlocation. Doch auch hier gabs einen Haken: Der Backstagebereich war unpassend für die Geschichte. Aber nicht lange zagen und Henning fragen: Wir splitteten kurzerhand das Backstage ab und drehten das an einem anderen Ort. Bin gespannt, obs euch im Film auffällt.
Das Casting lief dann relativ easy - die Hauptrollen standen ja :-) Aber auch Winnie Böwe und die anderen waren erste Wahl.
Der Dreh rückte immer näher. Und die Schweißperlen auf der Produktionsseite wollten nicht versiegen. Sie rannen und rannen. Bis zu diesem einen Sonntag. Über 200 Komparsen waren gekommen, um uns und den SILLYs beim Konzert beizustehen und mitzurocken. Und das taten sie wirklich. Von frühmorgens bis in den späten Abend wurde geklatscht, gejohlt, getanzt, mitgesungen etc. Und das bei unglaublichen Hitzetemperaturen. Alle waren fasziniert von der Ausdauer und der Power der Fans. Das hat ungemein geholfen. Und am Ende des Tages war nicht klar, wer wen motiviert hatte: Das Team die Komparsen, die Komparsen die Band oder Anna uns alle.Fakt ist, dass zumindest das SOKO Team noch heute mit einer Gänsehaut von diesem Tag spricht.
Tja, dann war das Ding durch. Abgedreht. Komisches Gefühl. Wenn man so lange auf etwas hinarbeitet und das auf einmal vorbei ist. Rohschnittabnahme lief entspannt - wir waren begeistert, wie sich das Konzert in den Film transportiert hatte. Eine tolle Leistung von Regie und Kamera. Die Musikbearbeitung lief auch (fast) problemlos. Ein winziges 2 Minuten Schnipselchen musste noch nachkomponiert werden und ist die einzige Musik, die kein SILLY Song ist. Bin gespannt, ob ihr erkennt, wo wirs eingesetzt haben...:-)
Dann gabs noch einen kurzen Schreckensanruf von Matthias, dem Redakteur. Beim Technikcheck im ZDF hatte er Henning im Hintergrund mit seiner Kamera auf der Bühne entdeckt. Wir haben das Konzert mit 2 Kameras gedreht und an dieser Stelle ist der eine Kameramann eben vor die Linse des anderen geraten. Normalerweise hätten wir umgeschnitten, aber es gab einfach keinen Ersatz für diese Einstellung. Und so bin ich gespannt, ob ihr den "Fehler" entdeckt. Ich war zu blöd. Ich habs nicht gesehen.
Mittlerweile war also das Sendeband beim ZDF. Und der Ausstrahlungstermin stand. Und auch die VÖ der CD. Zeit für uns, darüber nachzudenken, es nochmal krachen zu lassen. Nach der letzten Klappe hatten die Band und das Team sich ausgemacht, die Folge mal zusammen zu schauen. Dass aus diesem gemütlichen Beisammensein ein solch großer Event wird - damit haben wir nicht gerechnet. Aber die erste vorsichtige Anfrage bei Universal, ob man nicht was zusammen zur Ausstrahlung machen wolle, stieß sofort auf offene Ohren. Und so luden wir ein. Beim ersten Zusammentreffen wurden wir gefragt, mit wieviel Leuten wir rechnen. Nun, da kamen das Team, die Komparsen und ein paar andere Schauspieler in Frage. Aber da das Ganze in Berlin steigen sollte und es auch mitten im Winter war, haben wir ehrlich gesagt ziemlich tief gestapelt. Und so kamen wir bei unseren Gesamtberechnungen auf ca. 400 Mann, die mit uns zusammen die Folge im Postbahnhof schauen würden. Einen Tag vorher bekamen wir die Gästelisten. Und ich kippte aus den Latschen. Buchstäblich. Es hatten sich über 1000 Leute angemeldet!!! WOWOWOW! Welchen Nerv haben wir denn da getroffen? Begeistert, aber mit etwas mulmigen Gefühl gings dann am 20.01.10 nachmittags in den Postbahnhof. Unsere Pressefrau Claudia beruhigte mich noch und sagte: "Ach, es kommen immer mindestens 30% nicht. Und schau Dir das Wetter an. Außerdem ist Fashionweek" Okay, 3 Gründe wieder durchzuatmen. Und das tat ich. Bis ich dann die Schlangen am Eingang sah. Unsere PR Abteilung wurde Lügen gestraft, denn es feierten wirklich über 1000 Leute mit uns. Also, als sie erstmal drin waren. Denn man musste über den roten Teppich. Und da hatte sich eine beachtliche Meute an Fotografen angesammelt. Das lohnte auch, denn neben unseren Darstellern und den SILLYs waren auch Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau, Mina Tander, Lucy von den NO ANGELS, SILBERMOND, Florian Martens, Joachim Witt, Karoline Herforth, Caroline Scholze mit ihrem Mann, Marie Gruber, natürlich Jan Josef Liefers etc da. Also nicht von Pappe. Doch dieses ganze Bohei bekamen wir nicht mit. Wir haben uns währenddessen nämlich separat getroffen, um dann gemeinsam als SOKO-SILLY-FORMATION über den Teppich zu flanieren. So ein schöner Plan. So eine schwierige Ausführung. Denn während Marco und die Band schon perfekt gestylt warteten, fehlte von Melanie und Andreas jede Spur. Verzweifelte Handyanrufe schafften Aufklärung. Beide hatten Schwierigkeiten ein Taxi zu finden. Ist ja auch klar. Die waren ja alle auf dem Weg zum Postbahnhof :-) Na, langer Rede kurzer Sinn - der "Herr Kommissar" kam als Letzter und mit einiger Verspätung durften nun auch die Stars des Abends ins Blitzlichtgewitter. Und dann gings los. Nach einer kurzen Einführung von Universal, UFA und ZDF begann der Film. Und es war echt überwältigend. Auf einer Riesenleinwand fand das Konzert statt, was wir doch gerade noch gedreht hatten. Und das sollten wirklich nur 200 Leutchen sein? WAHNSINN. Aber noch wahnsinniger war, dass das ähnliche Ambiente von Postbahnhof und Anker dazu führten, dass man sich wortwörtlich in den Film "eingesogen" fühlte. Ein voller Erfolg. Und die Massen waren sehr aufmerksam. Ich behaupte jetzt einfach, dass die Geschichte gut angekommen ist. Und auch der Autor war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. "Bis auf den Wikipediatext über Tamara am Anfang". Das stimmt. Den hatte Axel gestrichen und wir doch ganz frech wieder mit reingenommen. Es soll ja noch Leute geben, die SILLY nicht kennen. Allerdings nicht nach diesem Abend. Denn nachdem der Abspann der Folge durchgelaufen war, ertönten die ersten Akkorde und RUMS! Die Leinwand fiel von oben runter und gab den Blick auf die Band frei. WOW. Was für ein Auftritt. Helmut - der technische Verantwortliche - hatte wirklich gezaubert. War ich schon ganz angetan von rotem Teppich und Fotowand, so war ich nun ganz hin und weg. Die neuen Songs der Band taten ihr übriges. Das war wirklich ein ganz großartiges Konzert. Die neuen Songs haben absolutes Ohrwurmpotential und wir haben uns voll und ganz bestätigt gefühlt, dass das Album absolut gelingt. Wir durften nämlich bei einem unserer Vorbereitungstreffen eine Akustikversion von "Alles rot" hören. Nur Uwes Gitarre und Annas Stimme. Und unser Herzklopfen. Ansonsten atemlose Stille. Dieser erste phänomenale Eindruck der neuen Lieder wurde voll und ganz bestätigt und auf die große Bühne übersetzt. Aber auch der Rest des Publikums war hin und weg. Gänsehaut und Tanzbeine lösten sich rhythmisch ab. Ein rundum gelungener Auftritt und eine gute Feuertaufe für die neue alte Band.
Nach dem Vorgeschmack auf das Album "Alles rot" (welches übrigens im März rauskommt!) konnten wir entspannt zum Feiern übergehen.
Tolle Folge, tolles Konzert, tolle Band, toller Abend, TOLL TOLL TOLL. Hat man selten, dass man von A bis Z so zufrieden mit einem Projekt ist. Und nun kommt die Folge morgen also im Fernsehen.
Ich hoffe, dass euch die Geschichte auch Spaß macht. Vielen Dank, dass ihr so rege daran Anteil genommen habt. Als Komparsen, als Konzertbesucher oder morgen als Zuschauer. Es ist schön zu wissen, dass sich so jahrelange Arbeit auch lohnt.
Doch kommen wir noch schnell zu den Fakten. Worum gehts in der Geschichte?
Die bekannte Kultband „Silly“ gibt ein exklusives Clubkonzert in Leipzig. Obwohl es seit Wochen ausverkauft ist, hat Ina noch zwei Karten ergattern können und freut sich auf das bevorstehende Konzert mit den Idolen aus ihrer Jugend in der DDR. Als Ina und Jan, der für die erkrankte Leni eingesprungen ist, im Club ankommen, fallen ihnen die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen sofort auf. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Die Band hat per Mail Drohbriefe bekommen. Die Stimmung ist nervös. Aber „the show must go on“ und so stürmt „Silly“ auf die Bühne. Da entdeckt der Veranstalter Claus Korch den toten Tourmanager Markus Gruber im Backstage-Bereich. Claus Korch will das Konzert sofort abbrechen, doch Ina und Jan, die unauffällig zum Tatort gelangen, warnen vor einem solchen Schritt. Wenn das Publikum erfährt, dass backstage eine Leiche liegt, droht eine Massenpanik. So bleibt den Ermittlern, die ihren Chef Hajo Trautzschke zum Tatort gerufen haben, nur die Möglichkeit, den Mörder noch während des Konzerts zu finden. Noch muss sich der Täter im Saal befinden. Die Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen beginnt. Doch auch der Verdacht, dass die Band selbst etwas mit dem Mord an ihrem Manager zu tun hat, wächst. Viel Zeit bleibt den SOKO-Ermittlern nicht, den Fall zu lösen.
Autor: Axel Hildebrand
Regie: Jörg Mielich
Kamera: Henning Jessel
Komponisten: Ritchie Barton, Uwe Hassbecker
Darsteller:
- Anna Loos
- Sybille Frank - Winnie Böwe
- Klaus Corch - Thomas Limpinsel
- Ritchie Barton
- Uwe Hassbecker
- Jäcki Reznicek
Jetzt habe ich einen kleinen Roman geschrieben. Entschuldigt. Aber mir hats echt Spaß gemacht nochmal zurück zu schauen. Leider bin ich immernoch krank zu Hause . Darum müssen meine unprofessionellen Eindrücke des Abends herhalten. Es gibt noch bessere Bilder. Später. Nun sag ich erstmal:
Gute Nacht!
Liebe Grüße,
Eure Henriette
