Shanghai - eine Stadt mit vielen Gesichtern
Nun ist unsere Shanghai-Reise schon wieder ziemlich lange her. Dennoch möchte ich euch nicht vorenthalten, was wir für Eindrücke aus dieser pulsierenden Metropole mitgenommen haben. Zur Erklärung: Frank Koopmann und Roland Heep als Autoren waren mit mir vom 13.06.07 bis 17.06.07 in China, um uns eigentlich den Preis für das beste Drehbuch auf dem Shanghai TV Festival abzuholen. So war der ursprüngliche Plan. Leider war unsere Nominierungskategorie aber die einzige, in der nicht zwischen in- und ausländischen Filmen unterschieden wurde, und so blieb die Trophäe in den Händen der Chinesen. Das tat unserer Laune aber keinen Abbruch. Wir erlebten atemberaubende vier Tage in einer der eigenartigsten Städte der Welt. Eigenartig deshalb, weil sich alles so wahnsinnig schnell verändert. Nirgendwo bekommt man die Stadt wirklich zu fassen. Allerorten wird gebaut, verschönert, gestriegelt und gestutzt. Diese Seite von Shanghai zeigte uns unser Guide als erstes. Dieser Guide war die erste Begegnung mit den Einheimischen. Und stand für einige mehr: supernett und leicht skuril. Der junge Chinese stellte sich uns als "August Gans" vor - was uns für die nächsten 48 Stunden zu denken gab. Alle möglichen Konstellationen sind wir durchgegangen. Deutsche Großeltern, Eltern, alle möglichen Affinitäten zu Deutschland - schließlich sprach er ja auch super gut deutsch - bis sich Roland ein Herz fasste und ihn auf seinen Namen ansprach. Lustigerweise stellte sich dann heraus, dass August eigentlich ganz anders heißt, aber einen "typisch deutschen" Namen gewählt hat, damit wir ihn ansprechen können. Diese kleine Anekdote am Rande zeigt, wie freundlich wir dort aufgenommen wurden.
August zeigte uns also die Stadt - nach mehrmaligem Betteln auch die Hinterhöfe und älteren Plätze. Ehrlich gesagt fand ich die auch stimmungshafter als die vielen, architektonisch umstrittenen Hochhäuser. Wir haben unheimlich viel gemacht. Neben Stadtführungen und Shoppingtouren, haben wir unter anderem ein echtes Filmset besucht. Es gibt nahe Shanghai ein riesiges Studio, in dem massiv gebaute Kulissen stehen und sich auf Filmteams freuen. Das war schon unglaublich. Da, wo bei uns eine Pappwand aufgestellt wird, werden dort auf dem Gelände gleich mal ganze Straßenzüge nachgebaut. In echt. Aus Stein. Sehr beeindruckend.
Und dann gab es ja auch noch die Verleihung. Mit angemessenem Vorlauf haben wir uns in Schale geschmissen und sind dann alle zusammen vom Hotel abgeholt und zum roten Teppich gefahren worden. Da viele chinesische TV Stars anwesend waren (und natürlich wegen uns :-)), war reger Betrieb vor der Halle. Ich muss gestehen - ein bisschen hat man sich dann auch wichtig gefühlt - so flankiert von zwei charmanten Herren und dem ganzen Blitzlichtgewitter ... Die Show an sich war sehr spannend. Alles auf chinesisch zwar, aber irgendwie witzig. Leider war unsere Kategorie als erste dran, und ehe wir richtig mitbekommen hatten, dass es schon losgegangen ist, war es auch schon wieder vorbei. Die Gewinner durften nämlich alle nix sagen. Deshalb verlieh Adrian Topol (bester internationaler Schauspieler) seiner Freude mit einem Flic Flac Ausdruck. Zwischen den eigentlichen Preisverleihungen gab es jede Menge Showeinlagen - vom Schmachtie-Soft-Schlager über atemberaubende Akrobatik bis hin zu kleinen Mädchenhorden, die uns auch ein wenig Angst einjagten :-) Nach der Show gab es ein bisschen Fotos, ein bisschen Shakehands, ein bisschen Cocktails und ein bisschen Eis. Da die eigentliche Veranstaltung aber bald zu Ende zu gehen drohte, schlossen wir uns unserer bewehrten Gruppe an und versuchten, um 23 Uhr noch etwas zu essen zu bekommen. Das gestaltete sich etwas schwierig, doch mithilfe von Insiderkenntnissen erwischten wir noch einen "Last order".
Wir haben wirklich viele Eindrücke und lustige Begebenheiten aus China mitgebracht. Vieles war faszinierend, nur Weniges wirklich fremd. Das dann allerdings richtig. Und auch wenn Frank und Roland begeistert beim chinesischen Fast Food zugeschlagen haben - und es auch lecker fanden - stieß mich das vergorene Fischölsuppenkramzeugs doch olfaktorisch zu sehr ab, als ich es ruhigen Magens hätte probieren können. Allerdings war das wirklich eins der seltenen Anflüge von Unwohlsein.
Es ist ganz schwierig, die vier Tage in Worte zu fassen. Fazit ist auf jeden Fall, dass ich nicht das letzte Mal in China gewesen bin! Vielen Dank nochmal an Anke, Frank, Konstanze, Jörg, Bernd, Xaver, August und allen anderen lieben Menschen, die wir dort kennen- und schätzen gelernt haben! Und natürlich an Frank und Roland, dass sie mich nicht allein gelassen haben :-)
Und vielen Dank an Frank für die tollen Fotos. Er war nämlich der Einzige von uns dreien, der es geschafft hat, wach zu bleiben und unseren "Flucht aus Santo Domingo" aus dem chinesischen Fernsehen abzufotografieren! Du bist ein Held!
